Die Ufer
Der Nil und seine Ufer sind wunderschön, das steht fest. Es ist faszinierend zu sehen, wie trotz des großen Staudamms noch immer unbefestigte Ufer, Sandbänke und Untiefen existieren, wie sich ein Streifen grünen Landes entlang des Flusses zieht, der manchmal kilometerbreit ist und manchmal unmittelbar in die Wüste übergeht. Teilweise könnte man wirklich denken, es hätte sich seit hunderten oder tausenden von Jahren nichts wirkliches getan hätte, teilweise holt einen die Realität sehr konkret ein. Aber in meiner einwöchigen Reise (wollte man längere Reisen, müsste man ein Schiff chartern), bin ich niemals müde geworden, die Landschaft zu genießen. Auch wenn die Aussicht nicht überall romantisch ist.Manchmal liegen die Dörfer direkt am Ufer. Und manchmal - nicht immer - sieht das Leben so malerisch aus wie hier. Wahrscheinlich werden die Teppiche im Nilwasser wirklich sauber, denn es ist erstaunlich klar. Dennoch ist ein Bad darin gefährlich, denn die hier häufige Bilharziose kann auch heute noch tödlich verlaufen.
Die Schiffe
Die Agenturen preisen gerne die Romatik einer Nilkreuzfahrt, wie man versinkt in Natur und Geschichte und den Alltag vergisst. Wie das auf den großen, Tag und Nacht dröhnenden Kreuzfahrtschiffen gehen soll, schreiben sie nicht dazu. Für uns war es jeweils immer eine Art Zeitgeber, wenn wir langsam dahinglitten und von hinten der Pulk der Kreuzfahrtschiffe aufkam, der sich anscheinend gerade durch die Schleusen von Esna gequetscht hatte. Vielleicht hat der pulkartige Auftrieb der Schiffe auch einfach den Grund, dass der Zeitplan heilig ist und auch die längste buchbare Reise zu kurz ist, um die Sehenswürdigkeiten wirklich zu genießen.
Es gibt diese Schiffe natürlich in verschiedenen Preislagen, von ganz billig bis ziemlich teuer. Das Erlebnis an Land dürfte sich bei allen wenig unterscheiden. Und man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass der Pool, den viele Schiffe an Bord haben, nicht nur klein, sondern möglicherweise auch unbenutzbar ist. Ich war im Februar in Ägypten, zu einer Jahreszeit, die sich für Besichtigungen prima eignet und wo es mittags ohne weiteres 30° C warm werden kann. Wir hatten ungewöhnlich kühles Wetter und zogen dankbar mehrere Lagen warmer Kleidung übereinander. Wenn es warm genug wird für den Pool, ist es zu heiß für Besichtigungen. Überhaupt hatte ich auf der Reise wie manche meiner Mitreisenden immer das Gefühl, die Pools würden mit größtem Aufwand gekühlt. Wahrscheinlich ist das ja Unsinn, aber normal zu verstehen waren die Temperaturen in verschiedenen Pools nicht.
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Was man aber sehr wohl buchen kann, ist die Dahabeya, auf der ich auch die Nilreise unternommen habe. Dieser Typ Schiff ist nicht preiswert, weil er naturgemäß nur wenige Passagiere an Bord nehmen kann, ungefähr 16. Und da dieses Schiff keinen Motor hat, wird es wahlweise flussaufwärts segeln oder aber vom mitreisenden Schlepper gezogen werden. Das braucht eine Menge Einsatz pro Passagier. Man sollte sich jetzt keine Illusionen machen über die Dauer der Segelstrecken, der größte Teil wird sicherlich hinter dem Schlepper zurückgelegt. Dennoch ist dies die einzige Art, auf die ich den Nil bereisen möchte. Segelt das Schiff am Ufer entlang, hört man die Vögel singen und kann sie beobachten. Kommt die Nacht, legt sich das Schiff ans Ufer und vielleicht findet noch ein kleiner Grillabend mit Musik statt. Wie es scheint, nehmen immer mehr Anbieter die Dahabeya in ihr Programm auf. Und ich kann nur empfehlen: lieber etwas länger sparen, dafür wirklich freuen und dem Nil wirklich nahe sein.
Vögel am Ufer
Unten ein Spornkiebitz mit einer Bachstelze.
Der Nil hat immer wieder Untiefen und Sandbänke. Ein ungeübtes Auge würde sie nicht erkennen, wenn sie nicht Beutegreifern als Ausgangsbasis dienen würden. Unten ruht sich eine Truppe Kormorane aus für den nächsten Fischzug.
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